Geschichte des Weizmann-Instituts

Die Anfänge des Weizmann-Instituts gehen auf das Daniel Sieff-Forschungsinstitut zurück, das 1934 von Israel und Rebecca Sieff aus London in Gedenken an ihren Sohn Daniel gestiftet worden war. Die Initiative zur Gründung des Instituts ging von Dr. Chaim Weizmann aus. Er war die treibende Kraft hinter der wissenschaftlichen Arbeit am Sieff-Institut und sein erster Präsident, ein renommierter Chemiker und über Jahre ein Anführer der Zionistenbewegung, bis er später der erste Präsident des Staates Israel wurde.

1944 wurde mit Einverständnis der Familie Sieff beschlossen, das Sieff-Institut zum einer großangelegten Forschungseinrichtung zu machen, die nach Dr. Chaim Weizmann benannt werden solle. 1949 wurde das Institut aus Anlass seines 75. Geburtstages eingeweiht.

In den 50er Jahren verfügte das Institut 13 Gebäude, hatte 600 Mitarbeiter und ein Budget von vier Millionen US-Dollar.

Exzellenzforschung am Weizmann-Institut

Die Forschung des Instituts hat zu wichtigen Erkenntnissen geführt, die den Wissensbestand im gesamten wissenschaftlichen Spektrum erweitert haben. Durchbrüche in der Grundlagenforschung, die am Weizmann Institut erzielt wurden, sind in vielen Fällen auch für die praktische Anwendung nützlich. Das Weizmann-Institut hat in diesem Kontext viele Patente angemeldet, deren Nutzung die Welt sicherer und gesünder macht.

Folgende Zahlen und Auszeichnungen sprechen für sich:

  • 343 kompetitive Zuschüsse aus externen Quellen, die an Hauptforscher (PIs) des Weizmann Instituts vergeben wurden
  • 88 Förderungen des Europäischen Forschungsrats
  • Platz 2 auf dem Nature Index für Forschungsqualität
  • Platz 8 im Ranking der Universität Leiden für wissenschaftliche Forschungsqualität und Impact
  • 1 Nobelpreis
  • 37 Israel-Preise
  • 3 Turing-Preise
  • 2 Japan-Preise
  • 35 Wolf-Preise

2014: Zwei junge Wissenschaftler des Weizmann Instituts, Dr. Maya Schuldiner und Jacob Hanna, zählen zu den 40 weltweit-führenden Wissenschaftlern Ihres Fachs, die von der angesehenen Zeitschrift “Cell” in ihrer “40 under 40”-Liste anlässlich der 40-Jahres Feier der Zeitschrift ausgewählt wurden.

Eien neue Studie durch Dr. Eran Elinav von der Immunologie-Abteilung des Weizmann Instituts und Prof. Eran Segal der Abteilung Computer Science and Applied Mathematics zeigen auf, dass bestimmte Darmbakterien Änderungen im Stoffwechsel verursachen könnten, nachdem sie in Berührung mit künstlichen Süssstoffen gekommen sind.

2013: Prof. Shafi Goldwasser von der Abteilung Computer Science and Applied Mathematics des Weizmann Instituts und das “Computer Science and Artificial Intelligence”-Labor des Massachusetts Institute of Technology erhielten den ACM A.M. Turing Award für Fortschritte, die die Wissenschaft der Kryptographie revolutionierten. Goldwasser ist das dritte Mitglied der Fakultät des Weizmann Instituts, das den Award verliehen bekam. Die anderen Mitglieder sind Prof. Amir Pnueli (1996) und Adi Shamir (2002).

Wissenschaftler des Weizmann Instituts zeigen, dass durch das Entfernen eines bestimmten Proteins von reifen Zellen deren innere Uhr effizient zurückgesetzt werden kann, um sie in einen Stammzellen-ähnlichen Zustand zu versetzen.

2012: Eine Methode zur optischen Daten-Zusammenfassung, von Prof. Michal Irani von der Abteilung Computer Science and Applied Mathematics des Weizmann Instituts wurde an Adobe Systems Inc. lizensiert.

2011: Ein multidisziplinäres Team von Wissenschaftlern des Weizmann Instituts entwickelten erfolgreich ein Enzym, dass Schutz vor Nervengas bietet.

2010: Dr. Alon Chen von der Neurobiologischen Abteilung des Weizmann Instituts und sein Wissenschaftsteam entdeckten ein Gen, dass in Verbindung mit Fettleibigkeit und Diabetes steht.

Eine Innovation, die von Prof. Noam Sobel und den Elektronik-Ingenieuren Dr. Anton Plotkin und Aharon Weissbrod und dem Wissenschafts-Studenten Lee Sala von der Neurobiologischen Abteilung des Weizmann Instituts entwickelt wurde, ermöglicht behinderten Menschen die Kommunikation und das Steuern eines Rollstuhls durch Riechen.

2009: Prof. Ada Yonath vom Weizmann-Institut und zwei Kollegen erhalten für ihre Arbeiten zur Erforschung der Ribbosome (siehe 2008) den Nobelpreis für Chemie.

2008: Einem Team von Weizmann-Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dan Tawfik gelingt die Herstellung künstlicher Enzyme, die sich in einem Reagenzglas "entwicklen". Wie in einem Aufsatz der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht, erhöhen die Enzyme ihre Reaktionsgeschwindigkeit um ein Millionenfaches. Diese Errungenschaft öffnet der Entwicklung einer ganzen Reihe potenzieller Anwendungen in Medizin und Industrie die Tür.

Prof. Moty Heiblum leitet eine Gruppe Weizmann-Physiker, die erstmals die Existenz von "Quasipartikeln" nachweisen, die ein Viertel der Ladung eines Elektrons besitzen. Diese Entdeckung könnte ein erster Schritt bei der Entwicklung neuartiger Quanten-Computer sein, die sehr leistungsfähig und dennoch hochstabil arbeiten könnten.

2006: Dr. Eran Segal entdeckt, dass die Information zur Positionierung der Nukleosome – ein Komplex aus DNA und Histonen – in den Genen selbst enthalten ist. Die Entdeckung könnte bei der Entwicklung von Gentherapien hilfreich sein.

2003: Eine nicht invasive Diagnosemethode, die von Prof. Hadassa Degani am Weizmann-Institut entwickelt wurde, erhält die Zulassung der US-Arzneimittelbehörde in der Diagnose von Brust- und Prostatakrebs. Die Methode basiert auf der Magnetresonanztomographie MRT und könnte die Zahl invasiver Eingriffe reduzieren.

2000: Prof. Ada Yonath, Forscherin am Weizmann-Institut, kristallisiert und dechiffriert zusammen mit Kollegen des Max-Planck-Instituts die Struktur des Ribosoms, der Protein-Fabrik einer Zelle. Die Erkenntnis hilft die genaue Wirkweise antibiotischer Medikamente zu klären und könnte die Entwicklung verbesserter Antibiotika ermöglichen, insbesondere für den Einsatz gegen medikamentenresistente Bakterien.

1997: Copaxone, ein Medikament zur Behandlung von Multipler Sklerose, das am Weizmann-Institut entwickelt wurde, erhält die Zulassung der US-Arzneimittelbehörde.

1993: Der erste Leukämie-Patient wird erfolgreich mit einer Knochenmark-Transplantation eines eigentlich unpassenden Spenders behandelt. Die Methode dafür wurde von Prof. Yair Reisner entwicklet.

Die Professoren Joel Sussman und Israel Silman entdecken die molekulare räumliche Struktur des Enzyms Acetylcholinesterase (AChE). Das Enzym zersetzt Acetylcholine, welches als Neurotransmitter bekannt ist und Impule zwischen den Nerven und zu den Muskeln überträgt. Diese Erkentnisse sind für die Erforschung der Alzheimer-Krankheit von Bedeutung.

1983: Einer der wichtigsten Tumor unterdrückenden Gene, das p53, wird von einem Wissenschaftler des Weizmann-Instituts, Prof. Moshe Oren, geklont. Defekte Gene dieser Art werden in mehr als der Hälfte aller Krebsarten des Menschen nachgewiesen.

1957: Eine Gruppe von Weizmann-Wissenschaftlern beteiligt sich an dem Forschungsprojekt, das die Existenz der Gluonen beweist – die Teilchen, welche für die stärkste Kraft in der Natur ausüben: die Kraft, die den Kern eines Atoms zusammenhält. Die Arbeit wird am PETRA Teilchenbeschleuniger am Deutsches Elektronen Synchrotron (DESY) in Hamburg durchgeführt.

1956: Prof. Leo Sachs und seine Kollegen am Weizmann-Institut veröffentlichen eine Arbeit die zur Entwicklung der Amniocentese führte, diese Art der Fruchtwasseruntersuchung wird heute verwendet, um genetische Veränderungen bei der Entwicklung des menschlichen Fötus zu erkennen.

1954: WEIZAC, einer der ersten Computer der Welt, wurde am Weizmann-Institut entworfen, gebaut und 1954 fertig gestellt. Im Jahr 2007 wurde dieses Ereignis in den USA von der Vereinigung der Elektroingenieure IEEE als ein Meilenstein in der Geschichte der Computer anerkannt.